EPS 011 – WordPress Kurs-Plugin – Anforderungen vor der Featureliste

Welches Kurs-Plugin solltest du für deine Kursplattform verwenden? Ich habe mir genau diese Frage gestellt — und nicht nur einmal, sondern mehrfach. Ich habe danach gegoogelt, ich habe in Foren gesucht, in Facebook-Gruppen gestöbert, natürlich auch zahlreiche Videos bei YouTube geschaut. Am Ende mir Vergleichstabellen erstellt und auch Vergleichstabellen der Anbieter studiert und verglichen. Und ich habe nicht nur eine Antwort bekommen, sondern jede Menge. Und die meisten davon waren von ihrer Seite aus auch überzeugend. Jede aber immer etwas anders — man hatte also unterschiedliche Vor- und Nachteile. Und das kannst du selbst testen: Stell eine Frage in einer passenden Social-Media-Gruppe oder in einem Internetforum — welches ist das beste Kurs-Plugin? — und dann bekommst du zig unterschiedliche Antworten.

Von manchen mit vielleicht sehr guten Begründungen, von einigen wahrscheinlich sogar ohne irgendwelche Begründungen. Aber das sind oft eher Wiedergaben von Leuten, die sich entweder schon diese Frage im Vorfeld auch gestellt und beantwortet haben, oder die haben einfach schon sehr viel ausprobiert und sind dadurch auf ihre Ansichten gekommen. Und der entscheidende Faktor an dieser Stelle ist: deren Antwort passt wahrscheinlich am besten zu deren System. Und dieses System ist nicht automatisch deins. Also habe ich mir Vergleiche angeschaut, ich habe Featurelisten mit Häkchen gesehen, ich habe mir das Pro und Contra angeschaut. Wenn du dir unterschiedliche Plugins nebeneinander legst, dann kann zum Beispiel Plugin A diese 40 tollen Sachen und Plugin B kann diese 60 tollen Sachen, und Plugin C kann auf einmal alles. Also im Prinzip steht man danach erstmal wieder am Anfang — nämlich da, wo man vorher war. Nur dass man nicht mehr diese Frage im Kopf hat, sondern ganz viele Optionen und dann irgendwie zu einer Entscheidung kommen muss, die einem aber nicht wirklich direkt auf dem Tisch präsentiert wird. Und es hat eine Weile gedauert, bis ich das dann so für mich verstanden habe: woran das liegt, dass diese Entscheidung so schwer fällt — dass man immer tiefer ins Vergleichen kommt, immer mehr nach den Vorteilen eines Plugins schaut und dann wieder mit den Nachteilen der anderen abgleicht. Und das kann eine lange Reise werden.

Und ich hatte schon mal ein System, bei dem konnte ich mir quasi dieses gesamte Vergleichen zwischen einzelnen Parts sparen, denn das hatte alles in einem. Es war ein Page-Builder dabei, es war ein Kurs-Builder dabei, man musste es quasi nur noch mit einem Shop-System verbinden — und das ganze System hat alles gemacht, E-Mail, Leadmagnete und so weiter. Vielleicht hast du schon aus den anderen Folgen von mir gehört: Das System ist bei mir nicht geblieben, weil der Anbieter dieses Plugin verkauft hat. Und dann wurden die Bedingungen von diesem gesamten System so umgestellt, dass sie halt eben nicht mehr für mich zufriedenstellend waren. Und ich habe auch gemerkt, dass man in einem All-in-One-System dann halt eben all in one ist. Also wenn das System mal nicht mehr deinen Bedürfnissen oder Vorstellungen entspricht, dann musst du halt eben alles umwerfen. Somit bin ich wieder bei einem — ja, nennen wir es Baukastensystem — wo man sich seine Kursplattform aus einzelnen Stücken zusammensetzt und so aber auch die Flexibilität wahrt.

Ich habe mehrere dieser bekannten Kurs-Plugins getestet, am Ende sogar eins davon gekauft — das direkt eine Community mitgebracht hat. Denn ich dachte: Hey, super, jetzt habe ich nicht nur ein Kurssystem, sondern ich habe auch gleich eine Community dabei. Und bei jedem Einzelnen habe ich dasselbe gemacht, bevor ich es selbst getestet habe: Ich habe geschaut, was ist alles dabei? Was könnte ich denn noch davon gebrauchen, was dieses Plugin mitbringt? Welche Features beeindrucken mich gerade am meisten?

Was ich aber nie gefragt habe an diesem Zeitpunkt war: Was brauche ich denn wirklich, und wie passt das in mein System? Was will ich denn damit überhaupt erreichen? Ein Kurs anbieten ist erstmal eine ganz kleine Aussage, die überhaupt nicht darlegt, was du mit deinem System konkret machen möchtest. Denn was steckt denn dahinter? Was ist wirklich wichtig für dich als jemand, der das ganze System verwaltet — also als der Admin? Und eigentlich noch viel wichtiger ist diese Frage: Was ist wichtig für diejenigen, die das nutzen sollen? Und hätte ich mir diese Fragen am Anfang meiner ganzen Recherche gestellt und auch dann konkretisiert beantwortet, dann hätte ich mir sehr viel Zeit sparen können. Am Ende war meine Antwort: Ich brauche Freiheit, ich brauche Flexibilität und ich brauche Unabhängigkeit — und ich muss das ganze Ding gut managen können. Das waren schon mal vier große Punkte, die auf einer Seite stehen und die schon einige der großen Plugin-Anbieter ausschließen. Und das hat mich zu einer eigenen Lösung geführt, sodass ich gesagt habe: Okay, ich baue mir mein eigenes System. Aber das ist mein Weg. Das heißt ja nicht, dass das dein Weg ist — sondern du musst für dich diese Frage erst beantworten, bevor du losgehen kannst. Denn der Punkt ist nicht, welche Lösung ich am Ende für mich gewählt habe — also egal, ob ich mich für ein bestimmtes Plugin entschieden habe oder dann eben mein eigenes Plugin gebaut habe.

Der Punkt ist, dass ich dies erst wählen konnte, als ich wusste, was ich genau brauche und was ich meinen Kursteilnehmern anbieten möchte. Und hier ist der Grund, warum diese explizite Frage nach dem Plugin am Anfang einfach viel zu früh ist: Ein Kurs-Plugin ist eine Komponente, und die ist nicht das System. Und du kannst natürlich dein System um eine Komponente herum bauen — also du wählst erstmal das Kurs-Plugin und schaust dann überall, was passt denn dazu und wie kann ich mein System so rumbauen, dass es passt. Doch wenn diese Komponente — nämlich dein Kurs-Plugin, um das du dein System herumgebaut hast — nicht mehr für dich passend ist, nicht so funktioniert, wie es eventuell die Featureliste versprochen hat, oder du einfach etwas mehr Flexibilität brauchst, dann bricht dieses System zusammen, sobald du diese Komponente rausziehst. Also wenn du mit der Plugin-Frage startest, dann baust du ein System um ein Werkzeug herum.

Lass mich dazu eine kurze Analogie erzählen: Wenn du ein Regal an einer Wand befestigen möchtest, dann musst du deine Wand kennen. Also woraus besteht diese Wand? Kann die das überhaupt halten? Kann ich daran überhaupt etwas anbringen? Ist eventuell etwas in der Wand, was eine Anbringung verhindern würde? Wenn du diese Fragen beantwortet hast, weißt du: Okay, was brauche ich, um das Regal an die Wand zu bringen? Du musst den passenden Dübel wählen. Du brauchst einen passenden Bohrer auf Grundlage der Beschaffenheit der Wand, die passenden Schrauben — und alles zusammen trägt dein Regal. Du kannst nicht einfach das größte und schwerste Regal nehmen, wenn deine Wand es nicht trägt; und du bohrst nicht mit einem Holzbohrer und einem Akkuschrauber in eine massive Steinwand. Und genau so ist es mit deinem System. Du musst erstmal deine Grundlagen kennen: wer nutzt es, wie soll es genutzt werden, was möchtest du damit machen, wie möchtest du es verwalten? Und dann wählst du auf diesen Entscheidungen basierend dein Tool, dein Werkzeug für deinen Kurs.

Und wenn du zu dem Schritt kommst, dass du dein Kurs-Plugin wählen möchtest oder erstmal überhaupt erforschst, was es gibt — dann sind Featurelisten super hilfreich, aber auch super tückisch zugleich. Featurelisten sind toll. Mir macht es Spaß, sie durchzugehen. Wenn ich etwas lese, was ich eventuell noch nicht kenne, oder wenn ich denke: Das geht ein Stück in die Tiefe, womit ich mich noch nicht so beschäftigt habe — dann habe ich da Lust drauf, diese Funktion zu testen und auszuprobieren. Aber diese Listen sind einfach auch ein wenig gemein, weil vieles klingt erstmal großartig — mit einem einzigen Schlagwort oder einer kurzen Zeile. Aber dann passt dieses geniale Feature eventuell nur so semi-optimal in dein System. Oder du brauchst es einfach gar nicht: Du liest, ey, super, da ist noch das und das drin — und man denkt sich: Ja, das klingt super. Aber in der Anwendung brauche ich es eigentlich gar nicht.

Ein Beispiel von mir: Zertifikatserstellung. Klingt erstmal super — man kann demjenigen am Ende vom Kurs ein Zertifikat erstellen, das sich im besten Fall natürlich automatisch mit allen Angaben von der Person erstellt: aktuelles Datum, was hat er erreicht, Auszeichnung, was auch immer. Für meine zu erwartenden Kursteilnehmer ist das völlig irrelevant, ob sie am Ende ein Zertifikat bekommen oder nicht. Möchtest du aber eine Online-Schule aufbauen, oder eine Online-Universität in Anführungsstrichen — wo du eventuell sagst: Du darfst sogar schulen, bist freigegeben dafür, dass du offiziell bestimmte Schulungen durchführen kannst, wofür eventuell auch bestimmte Zertifikate ausgestellt werden müssen — ja, dann brauchst du das. Dann ist das ein wirklich wichtiges Feature. Für mich war es egal; es hörte sich am Anfang aber erstmal super an, dass das geht. Und Featurelisten beantworten die Frage: Was kann das Plugin? Sie beantworten immer noch nicht die Anfangsfrage — was brauche ich selbst? Ebenso sagen diese Listen nichts über die Qualität der Funktion aus.

Die Funktion kann zwar drin sein, aber das kann auch relativ schlecht oder sogar sehr kompliziert umgesetzt sein. Klingt erstmal super: Zertifikatserstellung mit einem Klick — aber welche Einstellungen du im Hintergrund machen musst, welche Voraussetzungen eventuell dein Server mitbringen muss, damit dann alles generiert wird und in eine PDF geschrieben wird, die auf dem Server erstellt und verschickt wird — was alles da drin hängt, das muss man sich am Ende erstmal auch fragen: Funktioniert das überhaupt? In der Featureliste wird das nicht drinstehen. Da wird nicht drinstehen: „Zertifikatserstellung, Achtung — nur abhängig von bestimmten Servereinstellungen.“ Sondern das ist erstmal eine Aussage: Was kann das Plugin? Wie es funktioniert, steht dann in der Dokumentation. Die müsste man sich dann im nächsten Schritt auch erstmal genauer anschauen. Und genau deshalb bringen dich Vergleichstabellen nicht wirklich ans Ziel: Sie zeigen dir Möglichkeiten auf, sie können dich in eine Richtung bringen, aber sie sollten keine hundertprozentige Entscheidungsgrundlage sein. Also steht am Anfang immer erstmal diese entscheidende Frage: Was brauche ich eigentlich wirklich? Bevor du ein Plugin anschaust, musst du wissen, in welchem Szenario du dich selbst befindest.

Nach meiner Ansicht kann man grob drei Szenarien oder drei Gruppen einteilen, die unterschiedliche grundlegende Systeme benötigen.

Szenario 1: Du bist Solo-Kursersteller — also der Alleinige, der den Kurs erstellt, einstellt, verkauft und deine Kursteilnehmer betreust. Du bist also ein Anbieter; es gibt einen Zugang für den Kurs-Admin, und es ist eine relativ klare Struktur in den Kursen. Was du brauchst: Du brauchst eine simple Kursstruktur, die sich leicht für dich verwalten lässt. Du brauchst gegebenenfalls Fortschrittsanzeigen für deine Studenten — und natürlich auch für dich, weil du willst ja auch sehen, was die machen, und nicht nur, dass denen das angezeigt wird. Und du brauchst eine Zugangssteuerung: Wer darf was sehen? Im Prinzip war es das schon. Natürlich kannst du dann noch spezielle Funktionen hinzufügen oder sagen: Ich möchte eine Drip-Funktion haben, dass immer erst derjenige weitergeschaltet wird in ein neues Modul, wenn er das andere abgeschlossen hat — oder nach einem bestimmten Zeitschema, dass immer jede Woche ein neues Kursmodul geöffnet wird. Das sind alle Sachen, die können noch dazukommen; aber im Prinzip brauchst du eine Struktur, Fortschrittsanzeige, Zugangsteuerung. Was du auf jeden Fall nicht brauchst: eine Dozentenverwaltung. Wofür? Welche Dozenten willst du verwalten? Du bist der einzige Dozent. Du brauchst keine Abrechnungslogiken zwischen mehreren Anbietern — du bist selbst derjenige, der abrechnet, also musst du dich um sowas nicht kümmern. Und du brauchst auch keine komplexen Rollenmodelle: Du hast einen Zugang für dich und die Zugänge für deine User.

Szenario 2: Die Variante, wenn du mehrere Dozenten an Bord hast. Also plötzlich brauchst du andere Rollen zu deiner Adminrolle und auch andere Rechte. Denn mehrere Dozenten heißt, dass die eventuell nicht nur selbst ihren Kurs betreuen — sondern sie können auch im Kurs neue Sachen hinzufügen, Sachen bearbeiten, Sachen löschen, eventuell eigenständig sogar Kurse erstellen. Dann ist die Frage: Wer darf welche Teilnehmerdaten sehen? Denn nicht alle Dozenten sollten eventuell auch die gesamten Teilnehmerdaten sehen. Möglicherweise brauchst du dann auch unterschiedliche Abrechnungslogiken bei den unterschiedlichen Dozenten. Und das ist eine deutlich andere Anforderung und braucht eventuell auch noch andere Plugins oder Addons, um das wirklich umzusetzen — denn die wenigsten gängigen Plugins können das vollkommen uneingeschränkt lösen, ohne deren Addons dazu zu buchen. Also da muss man sich genau seinen Anforderungen bewusst werden.

Und das dritte Szenario wäre: Du baust eine komplette Online-Schule oder Online-Akademie auf, mit einer kompletten Zertifikatsprüfung — eventuell auch noch anderen Prüfmechanismen, die am Ende eines Videokurses stattfinden. Sodass der User noch einmal selbst prüfen muss oder geprüft wird: Hat er das alles verstanden? Hat er diesen Kurs wirklich abgeschlossen? Da reicht dann nicht nur ein Klick auf „bitte weiter zur nächsten Session“ — sondern der muss noch belegen, dass er das wirklich gesehen und verstanden hat. Dann gibt es eventuell Klassen, wo mehrere Studenten zusammengeführt werden; vielleicht ein virtueller Klassenraum. Es gibt vielleicht Lernpfade, die verschiedene Typen von Studenten entlangschlängeln sollen, damit sie zu einem bestimmten Modul kommen. Reportings für dich selbst als Leiter dieser Akademie. Du brauchst mit Sicherheit dann ganz andere Abrechnungslogiken — und es gibt eventuell auch noch Teilnehmer, die verschiedene Programme parallel durchlaufen. Also gibt es hier ganz unterschiedliche Logiken — und das ist eine völlig andere Größenordnung mit ganz anderen technischen und auch rechtlichen Anforderungen, die im Vergleich zu Beispiel 1 — dem Solo-Anbieter, wie ich es bin und wie du es wahrscheinlich bist — in keiner Relation stehen. Das sind völlig andere Voraussetzungen, Anforderungen, die man beachten muss, bevor man überhaupt sagt: Ich wähle dieses Kurs-Plugin.

Die häufigsten Fehler, die man macht: Man wählt ein System für ein Szenario, das man eigentlich gar nicht bedient oder auch gar nicht vorhat zu bedienen. Also wählen wahrscheinlich viele, wenn sie sich so eine Featureliste angucken, eher ein Plugin für Szenario 2 — wenn nicht sogar für Szenario 3. Weil: Hey, Zertifikate, Klassen, Lernpfade, Reportings — das klingt erstmal alles super auf der Liste. Brauche ich das? Und der Gedanke, der einem relativ schnell kommen kann, ist: Naja, jetzt brauche ich es vielleicht nicht — aber eventuell später. Und da liegt die Krux an der Geschichte: Das Ergebnis, wenn du diesen Gedanken hast — „vielleicht brauche ich das später“ — ist, dass du dann heute mit einer Komplexität kämpfst für einen Fall, nämlich Szenario 3, der vielleicht nie eintreten wird. Der als Gedanke ganz nett und interessant und verlockend klingt, aber überhaupt nicht zu deinem Vorhaben passt. Und wenn er eintritt, hast du ohnehin ganz andere Anforderungen als heute. Und ich versichere dir: Wenn du jetzt damit startest, wirst du dann ganz anders über bestimmte Punkte denken und sie dann auch anders entscheiden — wenn du von einem Szenario ins andere wechselst, egal ob geplant oder unverhofft. Weil du die Lehren aus dem vorherigen Szenario schon gezogen hast und ganz andere Kriterien ansetzt, die dann für dieses Szenario wichtig für dich sind.

Aber egal welches Plugin du am Ende wählst — es ist immer nur ein Teil deines gesamten Systems. Drumherum brauchst du Zugangskontrollen, Zahlungsabwicklungen, die E-Mail-Automation, dass E-Mails automatisch versendet werden — und natürlich auch die Videoauslieferung, wenn du einen Online-Kurs hast und Videos darin anbietest. Die Frage ist: Übernimmt dieses Kurs-Plugin all das mit, oder überlässt es bestimmte Tätigkeiten anderen Komponenten in deinem System? Und hier gibt es eigentlich auch nur zwei Architekturansätze.

Erstens: alles aus einer Hand. Ein Plugin übernimmt Kurse, Mitgliedschaft, Zahlungen — teilweise sogar die E-Mails, die zu versenden sind. Weniger Entscheidungen, weniger Schnittstellen — das ist der Vorteil, den man aus diesem System hat. Aber du bist abhängig von diesem einen Anbieter — und zwar sehr weitläufig in deiner eigenen Struktur, in deinem eigenen System. Wenn so vieles von einem Plugin aus abhängig ist, dann bist du ihm mehr oder weniger ausgeliefert. Wenn dieser eine Baustein dann ein Problem macht, dann betrifft es gleich das gesamte System: Hast du Probleme bei diesem Plugin, was eventuell die Zahlung betrifft, dann funktionieren eventuell auch die Kurse nicht für die Leute, die schon drin sind. Das ist immer Schwarzmalerei, ich weiß — aber dem muss man sich einfach bewusst sein, dass wenn da ein kritischer Fehler auftaucht, dann sind gleich mehrere Bausteine betroffen.

Die Alternative ist modular: Jede Komponente macht halt ihr eigenes Ding. Die Kursstruktur kommt von dem Kurs-Plugin. Es gibt Zugangskontrollen, die über ein — sagen wir — Member-Plugin geregelt werden. Es gibt den eigenen Shop, der sich mit diesen beiden Systemen verknüpft. Und es gibt ein separates E-Mail-System, das auf all die anderen Systeme lauscht oder hört und dann erst in Kraft tritt, wenn die sagen: Okay, schick eine Mail. Das ist dann alles separat. Es ist auf jeden Fall mehr Entscheidungen am Anfang — denn du musst dich über jede Komponente natürlich informieren, die du einsetzen willst. Aber jede einzelne Komponente ist auch voneinander getrennt: Du kannst sie austauschen, und du kannst dir sicher sein, dass halt eben das andere funktioniert, wenn eine andere Komponente ausfällt. Beide Ansätze funktionieren — ich will das All-in-One niemals schlecht reden. Es ist nur eine Entscheidung, die nicht für mich zutrifft. Beide Ansätze führen zu einem Ziel — aber es sind völlig unterschiedliche Systeme. Und sie führen auch zu unterschiedlichen Abhängigkeiten.

Was das für deine Entscheidung bedeutet: Die Architekturfrage muss vor der Frage „Welches Plugin will ich nutzen?“ kommen. Willst du weniger Entscheidungen und ein geschlossenes System, mit mehr Abhängigkeit? Oder möchtest du mehr Kontrolle haben, austauschbare Teile — aber auch mehr Arbeit im Vorfeld? Diese Antwort auf diese Frage filtert schon eine große Anzahl an Plugin-Möglichkeiten heraus — noch bevor du dir überhaupt eine einzige Featureliste angeguckt hast.

Und ich möchte dir hier noch eine Handvoll an Fragen mitgeben, die du dir im Vorfeld selbst stellen kannst. Diese Fragen ersetzen keine Featurelisten oder geben dir schon Anzeichen, welches Plugin es sein wird — aber sie machen die Featurelisten und den ganzen Vergleichsprozess viel einfacher. Also, erste Frage: Wie viele Kurse plane ich in den nächsten zwei Jahren? Ein Kurs braucht eine andere Struktur, als wenn du schon zwölf fertige Kurse im Kopf hast oder schon als Skript auf dem Tisch liegen. Komplett unterschiedliche Voraussetzungen.

Die zweite Frage: Arbeite ich alleine, oder kommen noch andere hinzu? Und wenn welche dazukommen: Welche Rechte und Rollen sollen diese haben? Also das entscheidet, ob du ein komplexes Rollensystem benötigst. Benötigst du eine sehr penible Rechtevergabe, dass du genau sagen kannst: Was darf welcher Dozent mit welcher Rolle in deinem Kurssystem sehen und machen?

Die dritte Frage: Was braucht mein Teilnehmer wirklich? Was muss er wirklich sehen? Was darf er? Was soll er am Ende erhalten? Braucht er Fortschrittsanzeigen? Das würde ich immer sagen: klares Ja. Braucht er eine Prüfung am Ende oder ein Quiz? Das liegt bei dir. Braucht es Zertifikate? Wie groß ist der Umfang für seinen eigenen Zugang? Braucht er ein Login, zack — und sieht seine Kurse und ist drin? Oder muss er noch wesentlich anderes sehen? Muss er in ein virtuelles Klassenzimmer? Muss er eine bestimmte Struktur am Anfang durchfahren? All das sind die Fragen: Was brauchen deine Teilnehmer?

Dann: Wie soll der Zugang gesteuert werden? Ist es ein einmaliger Kauf für einen Kurs? Ist es ein Abo? Soll es zeitlich begrenzt werden? Soll es gestaffelt werden — nach dem Abschluss zum nächsten Kurs zu kommen? Oder eben nach einer zeitlichen Staffelung, dass die Module Monat für Monat freigeschaltet werden? All das betrifft die Zugangssteuerung.

Die vorletzte Frage: Wie viel will ich selbst kontrollieren und wie viel will ich abgeben? Und das ist die Frage nach der Architektur. Also: Wie viel Kontrolle möchte ich über mein System haben? Soll das Plugin eher mehr mitbringen — und ich habe weniger Komponenten, bin aber mehr abhängig von einem Anbieter? Oder setze ich auf mehrere Anbieter und muss mich dann halt eben selbst um mehr kümmern?

Und die letzte Frage, die wahrscheinlich nicht so einfach ist, aber schon mal einen Hinweis darauf gibt, was auf dich zukommt: Kann ich das System in einem Jahr noch selbst verstehen und warten? Das ist die Frage, die am häufigsten vergessen wird — weil sie auch am schwersten zu beantworten ist. Aber wenn du dir diese anderen Fragen alle beantwortet hast und dann kennst diese Antworten, dann kannst du auch diese letzte Frage beantworten, wenn du dir ein komplexes System anschaust. Denn wenn du fünf eigene Kurse alleine verwaltest, mit einem einfachen Einmalkauf-Zugang für deine Kursteilnehmer — dann ist es wesentlich leichter zu verwalten. Selbst wenn da noch drei, vier, fünf Kurse hinzukommen — als wenn du eine Akademie mit fünf Dozenten, drei Schulklassen, Abo, zeitlich begrenzt und Drip-Content erstellst. Und das sollst du alles innerhalb eines oder zwei Jahren aufbauen, managen und dann auch am Laufen halten.

Und nochmal: Das ist kein Sagen dagegen. Ich will dir auch nichts absprechen, dass man das nicht schaffen kann — das kann man schaffen, bestimmt haben andere schon. Aber es ist die Frage, ob du das machen willst — ob das deinen Voraussetzungen entspricht.

Und wenn du dann diese Antworten auf diese Fragen kennst — du hast sie im besten Fall aufgeschrieben — dann kannst du dir Plugin-Featurelisten anschauen, denn dann helfen sie dir. Du kannst dann wahrscheinlich schon mit ein paar Blicken sehen: Perfekt, brauche ich — brauche ich nicht, brauche ich — brauche ich nicht, passt in mein System — passt nicht. Dann liest du das Plugin oder diese Featureliste nicht mehr als eine Frage — nämlich: Was kann das alles? — sondern mit der richtigen Frage: Erfüllt das Plugin meine Anforderungen für mein Vorhaben? Und plötzlich fällt ein sehr großer Teil an Optionen weg — und im besten Falle hast du dann nur noch ein, zwei, vielleicht drei Varianten, zwischen denen du dich am Ende entscheiden kannst.

Du hast heute von mir keine Plugin-Empfehlungen bekommen. Vielleicht ist das enttäuschend — weil du die Folge mit einer anderen Erwartung gehört hast; ich kann verstehen, wenn du enttäuscht bist. Aber jede Empfehlung, ohne dass deine Fragen für mich bekannt wären, wäre völlig sinnlos oder unseriös. Denn ich könnte dann immer nur sagen: Was für mich funktioniert — und was für mich funktioniert, heißt noch lange nicht, dass es für dich passt. Was du jetzt am Ende aus der Folge mitnimmst, sind hoffentlich die Fragen, die du dir selbst stellen kannst, bevor du dich entscheidest. Und das ist in meinen Augen eigentlich viel mehr wert als eine Antwort auf ein unbestimmtes, fremdes System — mit Anforderungen, die für mich wichtig sind, aber für dich vielleicht gar keine Rolle spielen. Denn du weißt, was du bauen willst — und dazu musst du das passende Tool finden. Denn wenn du es andersrum machst, also mit dem Werkzeug beginnst und dann darum versuchst, etwas aufzubauen — kommst du irgendwann an einen Punkt, wo das nicht passt. Und du drehst dich im Kreis oder fängst wieder von vorne an. Das ist die Empfehlung, die ich dir geben kann — denn das habe ich durchgemacht, und das ist meine Erfahrung, von der du hoffentlich etwas mitnehmen kannst.

In dieser Episode

Bevor du dein WordPress Kurs-Plugin wählst, entscheiden Fragen an dich selbst und an dein System ob eine Featureliste dir eine nützliche Auskunft geben kann.

Episoden Shownotes

Mailingliste

Hinweise zum Datenschutz findest Du in der Datenschutzerklärung.

7BizWorks EPS 011 - WordPress Kurs-Plugin Anforderungen vor der Featureliste

Warum du die Frage nach einem WordPress Kurs-Plugin zuerst falsch ist

Die Suche nach dem richtigen WordPress Kurs-Plugin endet selten mit einer Antwort, sondern mit einer ganzen Reihe von ihnen: Vergleichstabellen voller Häkchen, Featurelisten mit 40 oder 60 Funktionen, bei manchem Anbieter schlicht allem, was geht. Und dazwischen die Empfehlungen von Leuten, deren Systeme nicht deine sind. Diese Folge dreht die Suche um.

Der Ausgangspunkt ist eine These, die unangenehm klingt: Die Frage nach dem Plugin wird viel zu früh gestellt. Was zuerst stehen muss, ist eine andere Frage — und sie bezieht sich auf dich selbst.

Aus einer fremden Welt kommen die besten Empfehlungen

Jede Antwort, die du in Foren oder Gruppen sammelst, passt am besten zu einem System: dem des Menschen, der sie gibt. Seine Anforderungen, sein Stack, seine Teilnehmer — nicht deine. Daran wird die Empfehlung nicht falsch, aber an ihr kommst du nicht weiter. Was in deinem System fehlt und was darin überflüssig wäre, steht in keiner fremden Meinung. Ich habe die Recherche ein paar Runden mitgemacht, bis mir auffiel: Sie beantwortete eigentlich nur eine Frage, die nicht meine war und mir auch nicht wirklich weitergeholfen hat.

40 gegen 60 Features — und was dann?

Legst du zwei Plugins nebeneinander, hat das eine 40 Funktionen und das andere 60. Ein drittes kann im Zweifel alles dabei haben was Plugin A und B haben. Genau dort, so mein Eindruck, versagen die Vergleiche: Sie zeigen, was ein Plugin kann. Ob du es brauchst, wie gut die Funktion im Alltag läuft und welche Voraussetzungen dein Server mitbringen muss — das steht in der Doku, nicht auf der Liste.

Ein Beispiel aus der Folge: Zertifikatserstellung klingt wunderbar, automatisch generiert mit Namen und Datum. Für meine eigenen Kursteilnehmer zählt sie nichts — in einer zertifizierten Akademie spielt dieser Faktor aber plötzlich ein ganz andere Rolle.

Vielleicht stehst du nicht am Rand derselben Frage

Ob ein Kurs-Plugin zu dir passt, hängt stark davon ab, welche User und Kursteilnehmer du betreust. Ein Solo-Anbieter mit einem klaren Kurslaufwerk — oder ein Team von Dozenten, die eigene Kurse pflegen und unterschiedliche Rechte brauchen. Oder eine komplette Akademie mit Prüfungen, Klassen und Lernpfaden. Das sind drei Systeme, die dasselbe Schlagwort tragen, aber völlig unterschiedliche Anforderungen stellen. Welches davon dein System ist — und ab wann die Rechtevergabe ungemütlich wird: das sortiere ich in dieser Folge.

Dein WordPress Kurs-Plugin ist ein Baustein — deshalb kommt die Architektur zuerst

Ich habe die Variante aus einer Hand lange betrieben: Kursbaukasten, Shop-Anbindung und das Drumherum liefen über einen einzigen Anbieter. Weniger Entscheidungen, weniger Schnittstellen — bis der Hersteller das Plugin verkaufte und die Konditionen wechselten. Mein ganzer Stack passte an einer Stelle nicht mehr, an der Ausrichtung und Gestaltung des neuen Anbieters selbst. Die Neuausrichtung, die daraus für mich folgte, hatte weniger mit fehlenden Funktionen zu tun als mit der Frage, wie tief ein einzelner Hersteller in mein System reichte.

Die andere Seite, die getrennten Module, verlangt am Anfang mehr von dir: mehr Auswahl, mehr Zusammenspiel. Welches der beiden Gewichte sich für deine Situation richtig anfühlt — das wiege ich ab, einschließlich dessen, was mir am eigenen System passiert ist. Und wenn es danach konkret losgehen soll: Viele namhafte Kurs-Tools liegen im WordPress Plugin Repository, sortiert nach Lernmanagement-Systemen, und warten auf genau diese Vorbereitung.

Was du am Ende in der Hand hältst

Eine kuratierte Top-Liste? Nein — ohne zu wissen, was dein System kann und soll, wäre jede Empfehlung ein Ratespiel. Stattdessen gibt es die Fragen, mit denen sich aus einer großen Optionsflut eine kleine Handvoll sinnvoller Kandidaten ergibt. Eine davon: „Ob du das System in einem Jahr noch selbst verstehen und managen kannst?“ — habe ich mir früher, wenn überhaupt, auch viel zu spät gestellt. Die anderen Fragen, und wie du auf deine Antworten kommst, sind der Kern dieser Folge.

Summary

  • Anforderungen vor Werkzeug — Du schreibst auf, was dein System können soll und für wen. Jede Featureliste, die du danach liest, arbeitet als Checkliste statt als Nebel; das Feld an Optionen schrumpft damit rasant.
  • Dein Szenario benannt — Solo-Anbieter, mehrere Dozenten oder Akademie: Du weißt, auf welcher Ebene dein System steht und was jede Stufe an Rollen, Rechten und Abrechnungslogiken mitbringt.
  • Architektur statt Bauchgefühl — Du kannst All-in-One und Modular nach einem klaren Kriterium abwägen: Wie tief soll ein einzelner Anbieter in dein System reichen?
  • „Vielleicht später" verliert seine Macht — Du kaufst dir nicht mehr heutzutage Komplexität für Fälle, die nie eintreten. Denn du weißt: Wenn der Fall kommt, sind deine Kriterien ein anderes Mal andere.
  • Sechs Fragen in einer Stunde — Kursanzahl, Rollen und Rechte, Teilnehmerbedürfnisse, Zugangssteuerung, Kontrollgrad, Wartbarkeit nach einem Jahr. Wenn du die beantwortet hast, vergleichst du am Ende eine kleine Auswahl statt einen ganzen Markt.