Wir sind bei der vierten Folge der Miniserie, was du nicht am Anfang machen solltest, angekommen. Heute geht es um die Community. Wenn du den Gedanken an eine Kursplattform hast, dann hast du bestimmt auch schon mal über eine Community nachgedacht oder bist auf die Idee gestoßen durch Kursplugins oder Kursanbieter, die mit einer Kursplattform inklusive einer Community werben.
Als ich nach einer Lösung suchte, wie ich relativ schnell und unkompliziert einen Kurs aufbauen kann, habe ich genau solche Tools gesehen, solche Plugins für WordPress. Und wo ich dachte, hey, das ist ja perfekt. Da ist ein Kurssystem dabei, da ist eine Community dabei, da ist ein Dokumentationssystem dabei.
Alles in einem, ein Login für alles, eine Oberfläche, über die ich das managen kann. Das klang super perfekt und einfach zu machen. Und habe ich mir gedacht, ich baue dann den Kurs auf und nehme die Community gleich noch mit, weil das ist ja ein super Feature, wenn man das schon dabei hat. Was ich aber nicht bedacht hatte, war, dass es zwei Dinge sind, die man auf einmal startet und das hat eine grundlegende andere Bedeutung, als wenn du dich nur um ein Kurssystem kümmerst.
Du hast doppelte Arbeit an zwei unterschiedlichen Dingen und es heißt auch nicht, dass beide zusammen wirklich gut sind, weil eine Community und eine Kursplattform haben einfach andere Voraussetzungen, andere Regeln und auch andere Ziele. Meist bedeutet das, dass eine dieser beiden Optionen eher halb ausgereift mitkommt, denn auf einem muss der Fokus liegen. Und hinzu kommt, selten sind die vollgepackten Systeme, die dir so viele Möglichkeiten geben, so viele Features mit sich bringen, selten flexibel.
Und wenn man diese dann unter einem Dach vereinen möchte. Lass uns an dieser Stelle einen Blick auf die Unterschiede zwischen einer Kursplattform und einer Community richten. Ein Online-Kurs ist wie ein Vortrag in einem großen Hörsaal.
Du hast klare Strukturen, die du vorgibst. Du hast einen klaren Ablauf und du gibst den Takt an, wie es laufen soll. Du sagst, worum es geht, du sagst, wo es anfängt und wo es endet. Du legst die Ziele fest und bietest gegebenenfalls noch unterstützende zusätzliche Informationen an, gegebenenfalls auch Kontrollpunkte für denjenigen, der deinen Vortrag hört.
Eine Community ist wie ein Café. Du richtest den Raum ein, du erschaffst eine schöne Atmosphäre, aber die Gespräche entstehen zwischen den Gästen, selten mit dir. Du kannst zwar die Themen anregen und wahrscheinlich musst du das auch, wenn niemand dort redet und das ist nämlich das Ding, wenn dort niemand ist oder alle ruhig sind, dann sitzen alle in einem stillen und vielleicht sogar leeren Raum.
Dennoch hat natürlich beides seinen Mehrwert, aber beides funktioniert nach einer grundlegenden anderen Logik und beide haben auch unterschiedliche Regeln. Für Kurse brauchst du in Relation zur Community sehr viel Vorbereitungszeit. Du brauchst eine Inhaltsstruktur, du brauchst eine Fortschrittslogik und auch eine Zugriffssteuerung, wer darf welche Inhalte sehen.
Für eine Community brauchst du Feeds, du brauchst Reaktionen, du musst moderieren, du solltest täglich Präsenz zeigen. Und viele Anbieter verknüpfen beides in einer Lösung, weil das erstmal, erstmal hört sich gut an, ja es ist super viel dabei, super viele Features. Der Gedanke ist nachvollziehbar, aber die Kompromisslogik dahinter ist das Problem. Ein System, das beides verspricht, optimiert für beides, dadurch wird es eher schwer, wenn beide doch andere Voraussetzungen und andere Ziele verfolgen.
Und somit sind beide Features selten auf einem Level. Irgendwo hat auch der Erbauer mit einer Seite angefangen und darauf liegt wahrscheinlich der Fokus und das andere wurde dann versucht mit zu implementieren. Manche haben es besser gelöst, manche wahrscheinlich noch schlechter.
Worum es mir in dieser Folge geht, ist, dass ich dir vermitteln möchte, dass es zwei logische Schritte sind, die aber nicht gleichzeitig erfolgen sollten. Kurs und Communities können sich hervorragend ergänzen, das ist überhaupt gar keine Frage, aber es sind zwei aufeinanderfolgende Schritte, nicht gleichzeitig. Und egal wie rum, ob erst das Kurssystem und dann du versuchst die Teilnehmer in eine Community zu bringen oder aus den Themen einer Community du deinen Kurs erstellst, das hat beides sicherlich seinen Charme und das liegt dann halt eben in deiner Entscheidung, wie du dich wohler fühlst, womit du starten möchtest.
Für mich war am Ende die Entscheidung ganz klar.
Schritt 1: Ich möchte ein Kurssystem haben, das funktioniert, das meine Teilnehmer sauber durch die Kursstruktur bringt und das ich selbst vorgeben und lenken kann.
Schritt 2 könnte eventuell eine Community sein, die dann daraus entsteht, wenn man versucht, die Teilnehmer aus dem Kurs in eine Community hineinzubringen.
Nicht, weil es irgendwie ein spannendes Feature ist, was man in einem Plugin aktivieren kann, sondern weil man sich dafür bewusst entscheidet. Wer beides gleichzeitig angehen will, der muss seine Energie und seinen Fokus teilen. Und wenn man sich für eine Sache erst mal entschieden hat, dann ist es ganz klar. Für mich war es der Kurs, das ist das eigentliche Kernprodukt, was ich machen möchte.
Und wenn ich dann immer noch Rücksicht nehme und mir Gedanken über die Community mache, dann leidet der Fokus auf dem Kurs. Ich habe eben schon mal die Kernelemente angesprochen oder die Unterschiede zwischen dem Kurs und der Community, aber lass uns da noch einmal genauer draufschauen. Ein Kurs braucht sehr viel Vorarbeit.
Du solltest erst einmal die Struktur planen. Was möchtest du denn für deine Teilnehmer erreichen? Was ist das Ziel von dem Ganzen und was kannst du dann in deinen Kurs hineinbringen, damit dieses Ziel erreicht wird?
Dann musst du die Inhalte erstellen. Wenn man mal sagt, die Inhalte erstellen, das klingt mühelos einfach, das ist aber ebenfalls sehr viel Arbeit, die zunächst im Vorfeld passieren muss. Wenn du deine Struktur kennst, fängst du an, vielleicht ein paar Skripte zu schreiben, die Notizen zu erstellen, Videos aufzunehmen, noch zusätzlichen Content erstellen, vielleicht noch ein paar PDFs, eine komplette Dokumentationsübersicht, die parallel zu deinem Kurs läuft.
Dann brauchst du das technische System, auf dem das Ganze aufbaut, und du musst die gesamte Zugriffslogik einrichten: Wer darf was einsehen, nachdem der automatische Kaufprozess abgelaufen ist. Und wenn das gesamte System steht, dann ist es noch nicht fertig, dann musst du es auch noch einmal selbst komplett testen, am besten vielleicht noch mit Unterstützung anderer, mit Beta-Testern, die auch nochmal schauen, läuft das wirklich alles so, ist das alles verständlich und erst dann fängt es an, dass der Kurs online gehen kann und du diesen bewirbst, damit andere Leute wirklich den Kauf tätigen und teilnehmen können. Das ist eine große aufwendige Vorarbeit, die du leisten musst, bevor es überhaupt losgeht.
Aber wenn er einmal steht, dann läuft der Kurs mehr oder minder für sich alleine. Ein Teilnehmer kauft das Kursprodukt, bekommt den Zugang automatisch per Mail und kann die Inhalte von dir alleine durchlaufen, ohne dass du jeden Tag aktiv eingreifen musst. Du musst ja nicht jeden Tag zum Beispiel einen neuen Kurs freischalten oder neue Inhalte kreieren, das hast du alles schon gemacht. Also das System arbeitet ab diesem Zeitpunkt mehr oder minder für dich, nicht gänzlich ohne dich, das ist auch ein Trugschluss, dass man sagt, ich schalte den Kurs frei und dann tschüss, macht, was ihr wollt.
Du musst natürlich immer auch darauf achten, funktioniert alles, es kommen bestimmte Rückfragen von Teilnehmern oder es gibt Abbrüche im Kurs oder du stellst Rückfragen an die Leute, wenn du merkst, die hängen an bestimmten Stellen. Also es hört ja auch nicht auf für dich, aber die aktive Zeit ist für dich dann wesentlich überschaubarer. Bei einer Community ist es eher andersrum. Eine Community ist relativ schnell aufgebaut, vor allem wenn du ein Community-Plugin hast, was alles schon beinhaltet, was du dafür brauchst. Ein Forum, bestimmte Bereiche, du erstellst dann ein paar Startbeiträge, damit das losgeht.
Und also technisch ist das im Wesentlichen, oder es ist wesentlich kürzer erledigt, als eine Kursplattform aufzubauen. Aber wenn die Community steht und auch das musst du testen, dass die Kaufprozesse für die Community funktionieren, weil dann sind wir auch wahrscheinlich in einer Subscription und nicht in einem Einmalkaufprozess, wie das wahrscheinlich bei einem Kurs eher Sinn ergibt, also ist hier ein anderer Kaufprozess, den man gründlich testen muss, verlängern sich diese Subscription ordentlich, was ist, wenn jemand kündigt, da muss man einen genauen Blick drauf halten, aber hast du das einmal gemacht, dann fängt erst die wirkliche Arbeit an und zwar eher täglich, denn du moderierst, du antwortest und du sorgst dafür, dass Gespräche entstehen, dass Gespräche hoffentlich auch fortgesetzt werden und dass der Ton stimmt. Also es soll ja kein regelfreier Raum sein.
Und selbst wenn du irgendwann einen oder mehrere Moderatoren hast, die eventuell diesen Aufgabenbereich für dich übernehmen, also dass die aufpassen, dass Gespräche laufen, dass nützliche Themen vielleicht dazukommen, dass sich jeder benimmt nach deinen vorgegebenen Regeln, dennoch hast du eine Aufsichtspflicht, denn die bleibt bei dir. Du bist der Betreiber, du trägst die Verantwortung, was in diesem Community-Raum passiert. Beide Varianten haben absolut ihre Berechtigung, beides hat seinen Mehrwert, beides hat seinen Charme, aber beides hat auch, wie wir eben festgestellt haben, andere oder seine eigenen Rechte und Pflichten und die sind doch grundlegend verschieden.
Und so wie es gerne durch die Plugins, die halt eben alle diese Features haben, dargestellt wird, dass es eben ein Setting im Menü ist, das du einschaltest, das ist einfach nicht eine Community oder ein Kurs. Das ist eine einzelne, für sich eigenstehende Verpflichtung. Du bist derjenige, der den Ton setzt und erste Fragen beantwortet, Diskussionen anstößt, wenn es still wird. Also du hast wesentlich mehr Commitment in einer Community als bei einem Kurs. Gerade am Anfang, wenn du der einzige Motor bist, der das Ganze anschiebt. Und das ändert sich erst, wenn eine bestimmte Masse an Teilnehmern auf dieser Community ist.
Ich finde es relativ schwer, einen realistischen Zeitaufwand für eine Community abzuschätzen. Das ist einfacher für ein Kurssystem. Alleine der Aufbau hängt vielleicht davon ab, welche Abläufe man in seinem Kurs hat, wie groß der Umfang von eigenständigen Abläufen ist für die Automation, Kursfortschritte.
Aber du kannst es wesentlich besser überschauen, weil du weißt, ich erstelle hier einen Kurs mit, sagen wir, fünf Modulen à sechs Sessions und ich brauche für eine Vorbereitung einer Session, sagen wir mal, eine halbe Stunde. So, dann kann man das relativ gut überschauen, welcher Zeitaufwand für dich besteht, um den Kurs anzuschubsen und dann ist es eine Erfahrungssache für dich selbst, wie oft du da reinschaust, wie oft kommen Fragen auf, wie oft musst du eventuell was ändern, damit der Kursablauf noch besser für deine Teilnehmer ist, damit dein Supportaufwand geringer wird. Bei einer Community lässt sich das ganz schwer abschätzen, weil ab wann ist der Zeitpunkt da, dass diese Community von sich läuft? Läuft das schon mit 10 Leuten, mit 50 Leuten? Brauchst du 100 Leute, damit dort ein regelmäßiger Austausch stattfindet?
Denn was ist denn das Ziel für dich? Du möchtest ja die Leute möglichst lange dabei haben, die sollen einen Mehrwert bekommen, dass sie da sind, ob es Informationsaustausch ist, emotional, psychisch oder was auch immer die Leute in deine Community bringen, aber du möchtest ja, dass die dort bleiben, dass sie sich wohlfühlen und natürlich auch die monatliche oder jährliche Subscription immer wieder erneuern. Also hier gibt es wirklich ganz unterschiedliche Ansätze, auf die du dich festlegen musst. Deswegen würde ich dir davon abraten, mit beiden am Anfang zu planen oder dich sogar überhaupt mit beiden Themen auseinanderzusetzen.
Also wenn du weißt, ich habe Bock irgendwie einen Kurs aufzubauen, einen Kurs zu machen, ich habe auch schon eine Struktur im Kopf oder hast eventuell auch schon den Kurs für dich fertig, du musst den vielleicht nur noch produzieren, dann kümmere dich nur um eine Sache und dann ist es das Kurssystem. Und wenn dein Kurssystem läuft und die ersten Teilnehmer aktiv sind, dann siehst du auch, welcher Austausch da stattfindet. Weil du kannst dir natürlich sagen, ich habe jetzt 50 Teilnehmer in meinem Kurs und ich glaube, die haben Fragen.
Ich vermute mal, dass da mehr Wissensbedarf herrscht oder dass die sich austauschen wollen. Jetzt kann ich eine Community bauen. Aber das ist eine Vermutung.
Wenn du aber ein Kurssystem am Laufen hast und du kriegst öfters Fragen von deinen Kursteilnehmern zu immer dem gleichen Thema oder auch Fragen, ey, wie machen das denn andere in deinem Kurs, dann merkst du ja, dass es da einen Willen gibt, dass diese Teilnehmer aus deinem Kurs sich austauschen wollen. Und dann kannst du die immer noch untereinander verknüpfen mit einer Community. Allerdings setzt das auch voraus, dass du halt das Commitment eingehst, zu sagen, okay, neben meinem Kurs werde ich auch eine Community managen.
Und das ist für jeden selbst natürlich zu entscheiden. Ich kann dir erstmal nur sagen, wenn du dich für eine Sache entscheidest, ist das hundertmal besser, als wenn du versuchst, zwei Dinge halbherzig anzugehen. Ich habe mich entschieden, erst den Kurs zu bauen, vollständig funktionieren, durchdacht, so wie ich mir das vorstelle.
Nicht, weil ich Community unwichtig finde, sondern weil ich für mich verstanden habe, dass es zwei verschiedene Projekte sind, ganz unterschiedliche Aufmerksamkeiten verdienen und auch ganz andere Zielsetzungen haben. Und wenn du sagst, ja, der Kurs kommt für mich auch zuerst, ich will ein System, das funktioniert und erstmal für mich eigenständig läuft, dann bist du hier genau richtig, denn die Community kommt eventuell auch bei 7BizWorks erst später, vielleicht auch gar nicht, ich bin mir da auch noch nicht so sicher, aber hier geht es erstmal um das Fundament, eine Kursplattform aufzubauen, damit diese stabil und sicher läuft. Das war die vierte Folge dieser Miniserie.
Eine Folge wird es noch geben, die zu dieser Serie, was du am Anfang nicht machen solltest, mit dazugehört. Ich hoffe, du hörst mich in dieser letzten Miniserie-Folge auch. Ich freue mich. Bis dahin. Mach’s gut.