Community und Kurs gleichzeitig starten? Was diese zwei Angebote von dir verlangen

Community und Kurs gleichzeitig aufbauen – Blogpost zu EPS 009 von 7BizWorks

Community und Kurs gleichzeitig aufzubauen klingt nach einem Schritt. Warum ich mich dagegen entschieden habe und woran du merkst, wann der zweite Schritt dran ist

Blog Post Summary

Ein Häkchen im Plugin-Menü, und die Community ist dabei. So stellen es die All-in-One-Lösungen dar, und so habe ich es anfangs auch gesehen. Was dabei untergeht: Der Kurs verkauft sich einmal, die Community läuft über ein Abo mit eigener Testlogik. Und sobald andere Leute bei dir schreiben, bist du der Betreiber eines Raums, mit allem, was daran hängt. Hier geht es darum, was du dir mit dem zweiten Angebot tatsächlich anbietest und woran du merkst, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.

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Auf den Feature-Listen der All-in-One-Plugins steht die Community irgendwo zwischen Quizfunktion und Zertifikaten oder ganz am Ende als zusätzliches Bonus-Feature. Eine kurze Zeile, ein Häkchen, kein Aufpreis, sondern direkt mit dabei. Als ich nach einer Lösung für meinen Kurs gesucht habe, bin ich genau auf solche Plugins und deren Angebote gestoßen und dachte mir: „Gut, dann nehme ich das eben gleich mit. Community und Kurs gleichzeitig, ein Login, eine Oberfläche, alles an einem Ort – warum eigentlich nicht?“

Was ich dabei übersehen hatte, ist eigentlich banal und hat mich trotzdem ein paar Wochen Denkarbeit gekostet. Ein Häkchen im Backend startet kein Projekt wie eine Community. Es startet lediglich die Software.

Community und Kurs gleichzeitig starten?

Die Frage klingt nach einer Kapazitätsfrage. Schaffe ich das zeitlich, schaffe ich das neben dem Job. Das ist sie aber nur zum Teil und nicht die ganze Wahrheit.

Der Punkt liegt woanders: Es sind zwei verschiedene Angebote mit unterschiedlichen Versprechen. Beim Kurs verspreche ich dir ein Ergebnis: Du gehst hinein, arbeitest die Module durch, kommst an einem definierten Punkt heraus und hast am Ende ein bestimmtes Outcome, das für dich nutzbar ist.
Bei einer Community verspreche ich dir einen Ort, der einen bestimmten Zweck für dich erfüllen soll. Und auch wenn dieser Ort bestimmten Regelungen und Voraussetzungen unterliegt, ist dieser dennoch nur so gut wie die Leute, die gerade darin sind und aktiv miteinander kommunizieren.

Wenn ich beides auf einmal öffne, muss ich beide Versprechen von Tag eins an halten. Beim Kurs geht das, weil ich vorher alles gebaut habe. Bei der Community geht es nicht, weil da noch niemand ist außer ich selbst und ggf. die von mir beauftragten Moderatoren (und das wäre schon ein weiterer Schritt, den weder du noch ich am Anfang einer Community machen würden).

Community und Kurs gleichzeitig: zwei Kaufprozesse, zwei Tests

Ein Teil, den man beim Planen gerne unterschlägt, weil er unspektakulär ist: Die beiden Angebote werden unterschiedlich angeboten und verkauft.

Ein Kurs ist in den meisten Fällen ein Einmalkauf. Jemand zahlt, bekommt Zugang, fertig. Der Prozess ist überschaubar, du kannst diesen mehrfach durchtesten und weißt dann, dass dieser sicher und konform funktioniert.

Eine Community läuft fast immer über eine Subscription. Damit hast du keinen Kaufprozess mehr, sondern einen Kaufzyklus. Verlängert sich das Abo korrekt? Was passiert bei einer fehlgeschlagenen Zahlung? Wird der Zugang beim Kündigen zum richtigen Zeitpunkt entzogen oder erst am Monatsende? Bekommt jemand, der nach drei Monaten zurückkommt, seine alten Beiträge wieder zu sehen?

Das sind Fragen, die du nicht in einer Stunde durchtestest. Und wenn du beides gleichzeitig aufbaust, testest du zwei komplett verschiedene Zahlungslogiken parallel, in einer Phase, in der du ohnehin bisher nicht weißt, wo dein System hakt.

Mein Tipp: Wenn du irgendwann beides hast, teste den Kündigungsfall zuerst und den Kauf-Fall danach. Ein kaputter Kauf fällt dir am selben Tag auf, weil sich jemand meldet. Eine kaputte Kündigung fällt dir erst auf, wenn sich jemand beschwert, dass er weiter abgebucht wird.

Wer den Raum stellt, haftet für den Raum

Der Teil, den ich am meisten unterschätzt hatte und der bei uns in Deutschland eindeutig verpflichtend geregelt ist.

Solange du einen Kurs betreibst, veröffentlichst du eigene Inhalte. Du weißt, was auf deiner Seite steht, weil du deinen Content selbst erstellt und hineingestellt hast. In dem Moment, in dem andere Menschen bei dir posten und andere Mitglieder dies sehen können, ändert sich deine Rolle und die Anforderung an deine Seite. Du bist dann jemand, der fremde Inhalte speichert und diese zusätzlich ausliefert.

Rechtlich hängt daran mehr, als eine Feature-Liste vermuten lässt. Das Telemediengesetz ist im Mai 2024 ausgelaufen, seitdem gilt das Digitale-Dienste-Gesetz, und § 7 DDG verweist für die Verantwortlichkeit von Diensteanbietern direkt auf die Artikel 4 bis 8 des Digital Services Act. Was daraus praktisch folgt, hängt davon ab, was du anbietest – aber der Grundgedanke ist derselbe geblieben: Wer fremde Inhalte hostet, ist ab Kenntnis von rechtswidrigen Inhalten in der Pflicht, und es braucht einen erreichbaren Weg, über den ihm jemand diese Kenntnis verschaffen kann.

Ich bin kein Jurist und will hier auch keine Beratung liefern. Mir geht es um etwas anderes: Diese Pflichten können nicht delegiert werden. Du kannst Moderatoren einsetzen, die den Ton im Blick behalten und Diskussionen anschieben. Die Verantwortung dafür, was in deinem Bereich passiert, bleibt bei dir, weil du der Betreiber bist.

Das ist für mich der Punkt, an dem die Vorstellung von der Community als eine „einfache“ Zusatzfunktion endgültig zusammenbricht. Ein Häkchen im Plugin-Menü macht dich zum Betreiber eines Raums, in dem andere Leute reden, wofür du als Betreiber die Verantwortung trägst.

Die Rechnung mit der unbekannten Zahl

Bei einem Kurs kannst du rechnen.
Beispiel: fünf Module, sechs Sessions pro Modul, eine halbe Stunde Vorbereitung und eine Stunde Produktionszeit pro Session.
Das ergibt eine Zahl, und die Zahl ist vielleicht unangenehm, aber sie steht. Du weißt, worauf du dich einlässt, bevor du anfängst.

Bei einer Community habe ich diese Rechnung nie theoretisch aufmachen können. Der Aufbau ist wesentlich schneller erledigt als eine Kursplattform, das ist nicht das Problem. Das Problem ist die Frage danach: Ab wann trägt sich das von selbst?

Reichen zehn aktive Leute, damit dort regelmäßig etwas passiert? Braucht es fünfzig? Hundert? Ich kenne die Antwort nicht, und ich habe auch keine seriöse Quelle gefunden, die sie mir für meine Situation geben könnte. Vermutlich hängt sie von deinem Thema ab, von der Nähe der Leute zueinander, davon, wie qualifiziert diese selbst sind und davon, wie dringend ihr Problem ist.

Bis dieser Punkt erreicht ist, bist du der alleinige Motor. Wenn es still wird, stellst du die Frage, die das Gespräch wieder anschiebt. Jeden Tag oder fast jeden Tag, für einen Zeitraum, den du vorher nicht kennst.

Genau das ist der Unterschied zu allem anderen, was du in deiner Plattform baust. Beim Hosting kannst du dich falsch entscheiden und später wechseln. Beim Page-Builder auch. Bei einer Community kannst du dich nicht später entscheiden, wie lange du durchhalten musst, außer du beendest die Community, bevor diese überhaupt richtig angelaufen ist.

Warum ich Community und Kurs gleichzeitig verworfen habe

Meine Entscheidung war am Ende weniger analytisch, als es hier vielleicht klingt. Die bisherigen genannten Aspekte haben mich in meiner Entscheidung jedoch bestärkt. Ich habe gemerkt, dass ich beim Planen des Kurses ständig überlegt habe, wie die Community daran andocken könnte. Welche Bereiche brauche ich, wie hängen die Zugänge zusammen, was passiert mit jemandem, der nur die Community will.

Und während ich das überlegt habe, ist der Kurs nicht weitergekommen.

Das ist der Punkt, an dem für mich die Reihenfolge klar wurde. Der Kurs ist mein Kernprodukt. Solange ich parallel an einem zweiten Angebot denke, teilt sich die Aufmerksamkeit, und das merkt man dem Ergebnis an. Ich baue lieber eine Sache zu Ende, als zwei bei siebzig Prozent stehen zu lassen.

Die Community kommt bei 7BizWorks vielleicht später. Vielleicht auch nicht. Ich habe mich da bewusst nicht festgelegt, und das fühlt sich besser an als ein Versprechen, das ich mir selbst gegeben hätte und dann nicht einhalte.

Woran du den Zeitpunkt erkennst

Wenn du den Kurs zuerst baust, bekommst du etwas geschenkt, das du vorher nicht haben kannst: Beobachtungen.

Du kannst dir heute überlegen, dass deine zukünftigen Teilnehmer sich bestimmt austauschen wollen. Das ist eine Annahme. Sie kann stimmen, sie kann auch komplett danebenliegen, und du wirst es erst wissen, wenn Leute da sind.

Wenn der Kurs läuft, siehst du es dagegen an konkreten Dingen. Dieselbe Frage kommt zum vierten Mal per Mail. Jemand fragt, wie andere Teilnehmer eine bestimmte Stelle gelöst haben. Zwei Leute schreiben dir unabhängig voneinander zum gleichen Modul. Das sind keine Vermutungen mehr, das sind Signale.

Und dann ist eine Community keine Wette mehr, sondern eine Reaktion auf etwas, das schon passiert. Der Aufwand wird dadurch nicht kleiner. Aber du weißt wenigstens, wofür du ihn betreibst. Und du hast bereits eine Kenntnis darüber, was eine Community von einem Kurs unterscheidet.

Ob ich mich dann tatsächlich dafür entscheide, ist noch offen. Wie ich zu dieser Reihenfolge gekommen bin und was mich an den All-in-One-Versprechen anfangs überzeugt hat, erzähle ich in der Podcast-Folge.